| Zucht Lysmata rathbunae |
| Montag, 24. Juli 2006 um 19:14 | |
.:: Zucht von Lysmata rathbunae (bzw. wurdemanni) ::.
Ich suchte zuerst nach Artikeln zu diesem Thema und fand heraus, dass die Zucht schon des Öfteren geklappt hat und im Vergleich mit anderen Garnelenarten recht einfach ist (besonderen Dank hier an andere Züchter, die mir am Anfang wertvolle Tipps gegeben haben). Jedoch wurde auch mehrfach berichtet, dass die Larven - meistens nach 1-2 Wochen - plötzlich gestorben sind bzw. Probleme bei der letzten Häutung (zur endgültigen bodenlebenden Garnele) gehabt haben. Das verunsicherte mich zwar, trotzdem startete ich einen Versuch. ![]() Bild 1 - Larven ein paar Tage alt ![]() Bild 2 - Larven verschiedener Größen ![]() Bild 3 - eine etwas ältere Larve mit langem Beinpaar Überlebensrate Ich persönlich hatte nie Probleme, die Larven über die „magische Grenze“ von 1-2 Wochen zu bringen. Größer wurden die Verluste erst ab der zweiten Woche, was aber vermutlich hauptsächlich auf einige Fehler meinerseits zurückzuführen ist, da ich am Anfang noch viel „herumexperimentieren“ musste (unterschiedliche Wasserwechselintervalle usw.). Wasserwerte/Technik/Becken Mittlerweile bin ich von der oben erwähnten Luftbläschenmethode abgekommen und verwende im Larvenbecken einen Sprudelstein (Lindenholzausströmer), da er mehr Strömung erzeugt (die Larven sollten nicht allzu lange am Boden verweilen, sondern im Wasser treiben) und anscheinend die Larven weniger verletzt. Das die Larven Probleme mit den feinen Luftbläschen haben, konnte ich nicht beobachten. Weiters wurde ein neues 10 Liter AQ gekauft und alle 3 Zuchtbecken mit Hilfe von Lufthebern und Wasserbrücken (verkehrtes „U“) zusammengeschlossen (damit das Becken bei einer Fehlfunktion der Wasserbrücke nicht übergeht, wurden zwei Pegelschalter zur Absicherung installiert). Der Zusammenschluss war notwendig, da der Wasserwechsel in den einzelnen Becken sehr aufwendig war (z.B. im Larvenbecken nur mit einem feinen Netz/Gitter möglich – z.B. ein Artmia/Planktonsieb, dass in das Wasser eingetaucht wird) und ich bei diesen kleinen Volumina keine stabilen Wasserwerte erreichen konnte. Ein weiterer Grund war, wie schon öfters berichtet wurde, dass die Garnelen bei einer zu hohen Besatzdichte zu Kannibalismus neigen (ein großes Becken war aus Platzgründen nicht machbar). Es wurden täglich mindestens 12 Liter Wasser gewechselt. Dazu mischte ich etwa 6 Liter Wasser aus meinem eingefahrenen Becken mit 6 Liter neu hergestelltem Salzwasser. Ich habe mich für diese Vorgehensweise entschieden, da einige Züchter nur mit Aquarienwasser, die anderen nur mit frisch hergestelltes Salzwasser Zuchterfolge aufweisen konnten. Ebenfalls hat sich das Abkleben der Glasscheiben als hilfreich erwiesen, da sie sich so nicht nur an einer Stelle (Lichtquelle) dichtgedrängt aufhalten (Verletzungsgefahr, Stress), sondern im ganzen AQ verteilen. Die Becken wurden mit einem Heizstab geheizt bzw. mit einem Ventilator gekühlt (gesteuert über einen Regler) - so kam ich, vor der Sommerhitze, auf konstante 24-24,5 Grad C. Nun schwanken die Werte zwischen 24.0 und 26.0 Grad C (höher sollte die Temperatur -zumindest langfristig - nicht sein). Die Salinität wurde ebenfalls konstant auf knapp 35 gehalten. Nitrat lag in etwa bei 10 mg/L und Phosphat bei 0,05mg/L. Ich hatte zwar auch schon viel höhere Werte, die sich aber anscheinend in einer höheren Sterblichkeitsrate niederschlugen. In einigen anderen Berichten wurde empfohlen, dass der Bodengrund täglich gereinigt werden soll. Das machte ich am Anfang auch, hörte aber recht bald damit auf, da ich es nie schaffte den Bodengrund abzusaugen, ohne einige Larven mit einzusaugen bzw. sie nicht zu verletzen. Nur sporadisch wurden mit einer verlängerten Spritze Futterreste und Häute abgesaugt, was sich, zumindest bei mir, durch die großzügigen Wasserwechsel als vollkommen ausreichend erwies. Zuchterfolg Von den geschätzten 800-1000 Larven haben sich bis jetzt (es haben sich zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht alle Larven umgewandelt) 80 Larven zu kleinen Garnelen umgewandelt (Bild 4 und 5). Diese Garnelen bekommen bereits nach wenigen Tagen die typische rote Farbe und Garnelenzeichnung und wachsen erstaunlich schnell (in 3-4 Wochen ca. 3 cm). Ebenfalls erfreulich ist der Umstand, dass sich die Garnelen bereits nach ein paar Tagen über - zumindest kleine- Glasrosen hermachen :-) (Bild 6, Bild 7). Nach ca. 35 Tagen trägt bereits die erste Garnele Eier (Bild 8)! ![]() Bild 4 - Garnelen verschiedener Größe ![]() Bild 5 - eine etwa 2 cm große Garnele ![]() Bild 6 - hier machen sich ein paar Garnelen über eine Glasrose her (Glasrose auf Algenblatt) ![]() Bild 7 - Garnele beim "Glasrosenverzehr" ![]() Bild 8 - Eine Garnele trägt bereits nach ~35 Tagen Eier! Zusätzliche Informationen * Bei meinen Garnelen war ein Wurf zwischen 100 und 500 Larven möglich * ca. alle 18 Tage ein neuer Wurf * Abgabe der Larven erfolgt immer in der Nacht (bei mir ein paar Stunden nach Abschalten der Beleuchtung) am höchsten Punkt im Aquarium * Die Garnelen sind wahre Zuchtmaschinen. Bereits einen Tag nach Freilassen der Larven häuten sich die Garnelen und tragen wieder Eier * Zur Zucht sind nur 2 Garnelen notwendig (Simultanhermaphrodit - Männchen und Weibchen zugleich) * Überlebensrate ~10-15%, die sich aber mit den jetzigen Kenntnissen sicher erhöhen lässt Fazit Es ist wirklich interessant einmal selber Garnelen zu züchten. Was ich unterschätzt habe war, dass die Zucht wirklich sehr zeitaufwendig ist und man sich regelmäßig (auch Nachts) um den Garnelennachwuchs kümmern muss. Jedenfalls ist es wieder ein weiterer Schritt zur teilweisen Entlastung der Meere, da so auf Wildentnahmen verzichtet werden kann. (Ürbigens: Im Gegensatz zu den bisher gekauften Garnelen, sind die Nachzuchten wirklich zahm - versuchen sofort, wenn man die Hand ins Wasser hält, diese zu "putzen" - Bild 9) ![]() Bild 9 - Garnele beim Putzen meiner Finger |
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| Aktualisiert ( Sonntag, 23. März 2008 um 13:09 ) |
















